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Übersetzung dieses Original-Kommentars:

Die drastischen Maßnahmen, die in UK ergriffen werden um des Coronavirus Herr zuwerden wurden mit der Notwendigkeit gerechtfertigt, Leben zu retten.

Modellrechnungen des Imperial College London – das üblicherweise die Regierung informiert – legen nahe, dass 500.000 sterben könnten, wenn wir nicht handeln.

Selbst die bisherige Regierungsstrategie, die Ausbreitung zu verlangsamen, würde wahrscheinlich zu 250.000 Toten führen, zeigte diese Forschung.

Die Warnungen veranlassten die Minister am Montag den drakonischsten crackdown der Freiheit in Friedenszeit zu verkünden, nach dem die Bevölkerung nicht mehr in pubs, Clubs oder Theater gehen und von zu Hause aus arbeiten möge, wenn möglich.

Dieses Vorgehen hat die Wirtschaft getroffen, gefährdet Arbeitsplätze und führt zum Schließen von Schulen und Absagen von Prüfungen.

Keine Alternative – Experten

Prof. Neil Ferguson, einer der führenden an dieser Modellierung beteiligten Akademiker, erzählte BBC’s Today Programme in dieser Woche, es sei „keine Option“, falls 250.000 Leben nicht gefährdet werden sollten.

Sir Patrick Vallance, der wissenschaftliche Chefberater der Regierung, sagte in einer Anhörung vor dem Health Select Committee, die Hoffnung wäre, durch ein Unterdrücken des Virus die Todesfälle unter 20.000 zu halten.

Das wäre immer noch schlimmer als die Todesfälle durch Influenza, sagte er, und gab hierfür eine Zahl von 8000 pro Jahr an.

Er sagte, die Toten auf 20.000 zu begrenzen sei „schrecklich“, stellte aber immer noch ein „gutes Ergebnis“ dar, angesichts dessen, wo wir uns befinden.

Würden diese Menschen ohnehin sterben?

Die Zahlen zum Coronavirus treiben die Tränen in die Augen. Aber was nicht klar ist – weil die Autoren der Modellierung dies nicht berücksichtigt haben – ist, bis zu welchem Ausmaß diese Todesfälle auch ohne Coronavirus stattfänden.

Dies wird natürlich niemals wirklich bekannt sein, bevor die Pandemie zu Ende ist, was der Grund dafür ist, das solche Modellierungen sehr schwierig sind und Vorbehalte enthalten müssen.

Aber angesichts der Tatsache, dass die Alten und Gebrechlichen die am stärksten Gefährdeten sind: würden diese Menschen nicht ohnehin sterben?

Jedes Jahr sterben in England und Wales mehr als 500.000 Menschen, nimmt man Schottland und Irland hinzu, sind es mehr als 600.000.

Die Toten durch das Coronavirus wären hier nicht einfach hinzuzuzählen. Viele wären innerhalb dieser „normalen“ Anzahl erwarteter Todesfälle. Innerhalb kurzer Zeit wären sie ohnehin gestorben.

Sir Patrick räumte diesen Punkt auf einer Pressekonferenz am Donnerstag ein, als er sagte, es gäbe eine gewisse Überlappung zwischen den Toten durch Coronaviren und den erwarteten Todesfällen – er wisse nur nicht, wie groß diese Überlappung sei.

Der Influenza-Vergleich

Im Gegensatz dazu ist die Zahl, die er den Abgeordneten als Influenza-Todesfälle nannte – 8000 – anders zu bewerten. Dies ist tatsächlich die Zahl zusätzlich zu und über das hinaus, was man in jedem Jahr sich zu ereignen erwartet.

Viel mehr sterben mit Influenza, aber diese Zahl gibt uns einen Hinweis, wie viele zusätzlich durch die Influenza sterben, wogegen die 20.000, 250.000 und 500.000 für das Coronavirus schlicht die Todesfälle sind, die damit in Verbindung stehen.

Das Testen, das in vielen Ländern durchgeführt wird, bedeutet, dass wir, wenn ein Mensch stirbt, wissen, dass er das Virus im Körper hatte. Was es uns nicht sagt, ist in welchem Ausmaß das Coronavirus zu dem Tod beigetragen hat.

Warum wir bessere Erkenntnis brauchen

Hier spielen natürlich andere Faktoren eine Rolle. Ohne Kontrollmaßnahmen kämen diese Todesfälle sehr schnell.

Die 500.000 Toten in UK stürben alle bis August, sagen die Autoren der Modellierung.

Allein dies würde das Gesundheitssystem überwältigen und – wenn sie denn Recht haben – noch mehr Leben gefährden, weil dann die Versorgung anderer nicht mehr gewährleistet sei.

Aber es gibt klare Hinweise davon auszugehen, dass die Autoren die Fähigkeit des NHS, die Zahl der Intensivpflegeplätze zu erhöhen, unterschätzen.

Der Chef des NHS England Simon Stevens deutete nach der Veröffentlichung der Modellierung an, dass deren Zahl verdoppelt werden könnte.

Es gibt 3700 Intensivpflegeplätze für Erwachsene in England, und gut über 4000, wenn man den Rest von UK mit hinzunimmt.

8 von 10 werden zu jedem Zeitpunkt belegt. Obwohl dies um ein Viertel reduziert werden könnte, wenn Routine-Operationen gestoppt würden (was geschehen ist).

Tausende weiterer Beatmungsplätze können aus dem privaten Sektor rekrutiert werden, alte und neue Ressourcen, aus dem Verteidigungsministerium und aus Operationssälen, in denen nicht länger operiert wird.

Sir Simon deutet an, dass dies die Anzahl der Beatmungsgeräte auf fast 12.000 erhöhen könnte – obwohl bezweifelt werden kann, ob dies 12.000 Intensivpflegeplätzen gleichgesetzt werden dürfte, da diese ja auch Personal benötigten.

Was darüber hinaus noch nicht stattfand ist eine saubere Abwägung der ökonomischen und sozialen Kosten der bisherigen Maßnahmen, die selber wiederum Leben und Gesundheit gefährden.

Während wir tiefer in diese Krise geraten, werden wir viel mehr Erkenntnisse darüber brauchen, wie viele Leben tatsächlich gerettet werden und dies vergleichen mit den größeren Kosten für die Gesellschaft, damit die Regierung und die Öffentlichkeit die beste Handlungsstrategie wählen können.