Pneumokokken - (Wieder)zunahme der PCV13-Serotypen auch in D

Eine aktuelle Analyse der Pneumokokken-Surveillance in Deutschland (Linden 2026) findet auch hier beunruhigende Trends, die in anderen Ländern schon dokumentiert sind.

Im Zeitraum von 2017 bis 2024 kam es in D zu einer Zunahme von Erkrankungen durch Serotypen, die eigentlich im von der STIKO empfohlenen 13-valenten Pneumokokkenimpfstoff (PCV13) enthalten sind (Serotyp 3, 4, 19A, 19F)- zusätzlich finden sich vermehrt andere Serotypen (38, nicht im PCV13 enthalten), was auf den von PCV bekannten replacement-Effekt erneut bestätigt.

Die Suche der Autoren nach möglichen Erklärungen wirkt hilflos und ist in sich widersprüchlich: das Kernargument, nur etwa 3/4 der Kinder seien im Alter von 2 Jahren gegen Pneumokokken geimpft und dies sei für einen fehlenden Herdenschutz der auch betroffenen Erwachsenen (Serotypen 3 und 4) verantwortlich, überzeugt nicht:

  • Erstens ist die Impfquote der PCV13 im Studienzeitraum angestiegen von unter 70% auf zuletzt etwa 73% (RKI 2025)

  • Zweitens weisen die Autoren selbst darauf hin, dass eine fast identische Dynamik z.B. in UK nachweisbar ist, wo die Impfquote für PCV knapp 90% beträgt

  • Drittens haben die Autoren selbst in einer Vorgängerstudie mit dem vielsagenden Titel "Limited indirect effects of an infant pneumococcal vaccination program in an aging population" (Linden 2019) herausgearbeitet, dass er erwartbare Herdeneffekt der Kinderimpfung ohnehin eben: "limited" sei.

Eine eventuelle Herdenimmunität durch Pneumokokkenimpfstoffe meint ohnehin immer etwas völlig anderes, als z.B. die bei der Masernimpfung (wo erfolgreich geimpfte Kinder in der Regel für Jahrzehnte die Erkrankung Masern nicht mehr übertragen):

  • Eine Herdenimmunität durch PCV ist vor allem während der PCV7-Ära für die Transmission einzelner Serotypen nachgewiesen.

  • Seit Einführung der PCV13 ist dieser Effekt nicht mehr in der Breite der Serotypen nachweisbar.

  • Das schon früh nach der Einführung der PCV beobachtete replacement-Phänomen (Ersatz der Impfstoff-Serotypen durch Nicht-Impfstoff-Serotypen als Krankheitsursache) hebt bei vielen real world-Studien relevante Verringerungen der Pneumokokken-Krankheitslast weitestgehend auf.